Dorothea Rotfuss


ZEUGNIS

Von Dorothea Rotfuss

Schon immer fand ich die Geschichten von Menschen aus früheren Zeiten spannend. Was die nicht alles erlebt hatten! Was Menschen dieser Erde nicht schon alles mitgemacht hatten: Nimmt man nur einmal das 20. Jahrhundert, so kann man eine Abfolge von Krieg, Hunger, großen politischen Umbrüchen aber auch einzigartigen Höhepunkten der Menschheitsgeschichte beobachten. Doch man sieht auch: Menschen kamen und gingen. Einige schrieben Weltgeschichte, über andere werden wir bis zum jüngsten Tag nichts erfahren.

Einen Großteil meines Lebens fragte ich mich, welche Geschichte ich wohl schreiben würde. Was würde in den einzelnen Kapiteln meines Lebens stehen? Aber: Würde sich irgendjemand für meine Geschichte interessieren? Es gibt ja schon so viele. Und außerdem: Wer bin ich schon? Was für einen Sinn hat mein Leben? Warum bin ich hier? Interessiert sich der große und allmächtige Gott wirklich für mich kleines Persönchen? Warum? Und wenn er mich wirklich liebt, wieso fühle ich das dann nicht? Wieso bleiben meine Gebete an der Zimmerdecke hängen? Je mehr Gedanken ich mir machte, desto mehr Fragen stellten sich mir – und umso verzweifelter wurde ich. 

Und dann, immer wieder an den dunklen und selbst den dunkelsten Haltestellen meines Lebens war Gott da. Auf seine ganz eigene Art zeigte er mir, dass ich es wert bin. Wert bin zu leben und zu sein. Dass ich nichts tun muss, um mir seine Liebe zu verdienen (Das macht mich immer noch sprachlos!). Und vor allem: dass er ein Gott ist, der mich sieht. Der mich kennt. Und der an mir interessiert ist. Den meine Geschichte interessiert. Dass meine Geschichte schon fertig ausgearbeitet auf seinem Schreibtisch liegt. Stück für Stück pflanzte Gott Hoffnung in mein Herz. Und die Liebe zu ihm und für ihn, zu seiner Braut und eine Liebe zu Menschen, die ihn (noch) nicht kennen wuchs. Er befreite mich von Angst, Minderwertigkeit, Zorn, Bitterkeit. Und so vieles mehr. (Nicht, dass ich heute ein Endprodukt bin, ich befinde mich immer noch im Schleif-/ und Polierprozess!)

Aber ich weiß, dass er wunderbare Pläne hat mit mir. Und mit dir. Und genau das ist mein Gebet: Das du das erkennst, wenn du das bisher nicht hast. Halte Gott dein Herz hin, deinen Schmerz und die dunklen Stellen deines Lebens. Er wird sie in seine wunderbaren Vaterhände nehmen und einen wahren Regenbogen daraus machen. Ja genau. Genau die Bereiche und Erfahrungen, die für dich bereits als nicht mehr verwertbar abgestempelt sind, gebraucht Jesus. Er ist nämlich ein Künstler was das Recycling betrifft. Und das Endprodukt ist letztlich Gold. Gold, das im Feuer geläutert wurde.


In Liebe

Dorothea Rotfuss

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